Mitmachaktion EU-Wahl 2019: Mehr Vorsorge und Schutz von Mensch, Tier und Umwelt

Mitmachaktion: EU-Wahl 2019    [Version III, aktualisiert am 17.4.2019]

Mehr Vorsorge und Schutz von Mensch, Tier und Umwelt

Die Industrie und interessierte AnwenderInnen propagieren, dass mit neuen Gentechnikverfahren (Genome Editing) keine Risiken einhergehen. Sie wollen erreichen, dass die neuen Gentechnik-Organismen ohne Zulassungsprüfung und ohne Kennzeichnung auf den Markt kommen. Dabei handelt es sich bei Genome-Editing (CRISPR/Cas etc.) um molekularbiologische Verfahren mit großer Eingriffstiefe, die erst wenige Jahre alt sind und auf völlig neue Art und Weise in das Erbgut eingreifen.

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Hintergrund

Risiken der Gentechnik: mehr Vorsorge und Schutz von Mensch, Tier und Umwelt!

Aufgrund der Entdeckung und Entwicklung neuer Gentechnikverfahren (auch Genome Editing genannt) steht uns eine neue Ära der Gentechnik bevor. Die Möglichkeiten und Risiken dieser neuen Verfahren gehen deutlich über das hinaus, was bisher im Bereich der Gentechnik möglich war. Denn selbst wenn keine zusätzlichen Gene in das Erbgut eingefügt, sondern „nur“ einzelne Gene stillgelegt werden, kann dies erhebliche Auswirkungen auf Organismen haben. Um die daraus resultierenden Risiken überprüfen zu können, müssen die jeweiligen Pflanzen und Tiere erfasst werden und eine Zulassungsprüfung sowie eine eingehende Risikoprüfung durchlaufen. mehr…

In der EU unterliegen diese Organismen der Gentechnikregulierung, daher muss in jedem Fall eine Zulassungsprüfung erfolgen. Doch interessierte Akteure wollen ihre Produkte möglichst schnell auf den Markt bringen. Ihr Ziel: Pflanzen und Tiere, die mit neuen Gentechnikverfahren manipuliert wurden, sollen ohne Zulassungsverfahren freigesetzt und daraus gewonnene Produkte ohne Kennzeichnung vermarktet werden. Die Kräfte des Marktes würden dann dazu führen, dass immer mehr Risiken in Kauf genommen werden: Während man in der herkömmlichen Züchtung über viele Jahre und mehrere Stufen Erfahrungen mit Veränderungen der Pflanzen sammeln konnte, fallen bei den neuen Gentechnikverfahren all diese Zwischenschritte weg. So können in immer kürzerer Zeit immer mehr Organismen mit teils völlig neuen Eigenschaften in die Welt gesetzt werden.

Kämen die neuen Pflanzen ohne Regulation und Zulassungsprüfung auf den Markt, wüsste kein/e LandwirtIn und kein/e GärtnerIn mehr, was er/sie eigentlich anbaut. Die Pflanzen könnten auch miteinander gekreuzt und kombiniert werden, ohne dass die Kombinationswirkungen im Detail überprüft werden. Die VerbraucherInnen verlören jede Auswahlmöglichkeit: Es wäre für sie nicht mehr nachvollziehbar, ob Produkte gentechnisch verändert sind oder nicht. Und nicht einmal die Behörden wüssten, welche Pflanzen aus welchen Ländern importiert werden und wonach sie suchen müssten, wenn tatsächlich Schäden an Mensch oder Umwelt beobachtet werden.

Äußerst bedenklich ist auch, dass das Ziel der neuen Verfahren nicht mehr „nur“ Ackerpflanzen sind. Künftig sollen auch natürliche Populationen von Wildpflanzen, Insekten und Nagetieren mittels Gentechnik manipuliert werden. In diesem Rahmen wird auch der Einsatz von sogenannten Gene Drives geplant: Damit sollen natürliche Populationen durch gentechnisch veränderte Organismen ersetzt oder auch bestimmte Arten ausgerottet werden. Wird es aber gentechnisch veränderten Organismen ermöglicht, sich unkontrolliert in der Umwelt auszubreiten und zu vermehren, sind gesicherte Aussagen über Langzeitfolgen unmöglich.

Schon jetzt werden viele Risiken der bisherigen Anwendungen gentechnisch veränderter Organismen nicht ausreichend untersucht. Insgesamt müssen die Sicherheitsstandards deutlich verbessert und nicht komplett ausgehöhlt werden, indem Organismen, die mit den neuen Gentechnikverfahren in ihrem Erbgut verändert wurden, von der Regulierung ausgenommen werden.

Wissenschaftliche Machbarkeit und wirtschaftliches Gewinnstreben führen im Bereich der Gentechnik zunehmend dazu, dass ethische Grenzen überschritten und Schutzziele vernachlässigt werden. Das zeigt nicht nur der Fall der CRISPR-Zwillinge in China. Dazu kommen erheblich wirtschaftliche Interessen. Es ist deshalb die Aufgabe der EU-Politik, der Gentechnik wirksame Grenzen zu setzen. Der Schutz von Mensch, Tier und Umwelt muss gestärkt werden und ethische Grenzen und die Wahlfreiheit der VerbraucherInnen müssen gewahrt bleiben.

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